EIN GANZ BESONDERES "TRAININGSLAGER"

Wer meinen Instagram Account verfolgt hat mitbekommen, dass ich seit Madeira im Juli einen Narren am Freediving gefressen habe. Warum, kann ich ganz einfach erklären. Es ist diese leise Art, sich unter Wasser zu bewegen und nichts zu hören. Man kann den Tieren in der Unterwasserwelt viel näher sein als beim Scuba Diving. Und man muss sich ganz auf sich selbst konzentrieren und sich selbst vertrauen. Die einzige, die sich dabei noch im Weg steht, bin ich selbst, oder eher gesagt, mein Kopf. Schon immer atme ich und nun soll ich damit aufhören. Ich soll aufhören zu denken. Meinen Kopf ausschalten. Los lassen. Das ist nicht einfach und eine großartige Challenge für mich.

 

Ich wohne recht günstig und habe das große Glück, mit Werner Giove und Stephanie Kasa in Groß-Gerau bei der Freedive Academy wöchentlich zu trainieren. Jeden Sonntag springen wir in den Pool und jeder trainiert für seine Ziele und man ist umzingelt von sympathischen Gleichgesinnten eines jeden Levels. Vor drei Wochen hat Werner ein ganz besonderes Schmankerl angeboten:

Unter diesem Motto haben sich Athleten, Hobbyfreitaucher und angehende Instruktoren getroffen, um ganz individuell trainiert zu werden, und das nicht etwa einen Nachmittag, sondern ein ganzes Wochenende lang. Begonnen haben wir am Freitag Abend mit einer Videoaufnahme im ESWE Bad Wiesbaden. Jeder ist in seiner Disziplin getaucht (Monoflosse, no-fins oder Bi-fins). Diese Videoaufnahmen wurden dann vor allen am nächsten Morgen in einem separaten Raum im "Sportplanet Groß-Gerau" besprochen. Die Vorankündigung, dass bei der Analyse kein Blatt vor den Mund genommen werde, machte mir etwas Sorge, die aber völlig unberechtigt war. Denn Werner und Stephie geht es schlicht um die Verbesserung der Bewegungen und Körperhaltung, um beste Ergebnisse im Wasser zu erzielen.

 

Und ehe wir uns versahen, befanden wir in der nächsten Etappe des Trainingslagers: Einem großen Cross-Raum, in dem Werner und Stephie uns für 4 Stunden an jede Menge Übungen mit dem eigenen Körpergewicht geführt haben, die die Haltung und Spannung im Wasser verbessern. Ich war sportlich schon viel gewöhnt und kenne viel, und ich habe mich über die neuen Übungen sehr gefreut. Außerdem war es sehr schön für mich zu hören, dass Krafttraining für das Freitauchen eine viel wesentlichere Bedeutung hat als stundenlanges Cardio-Training. Ich befinde mich auf einem richtigen Weg.

 

 

 

Mit knurrendem Magen, müden Muskeln und leichter Müdigkeit ging die Reise am Nachmittag dann weiter ins Schwimmbad Kleinfeldchen nach Wiesbaden: Beste Voraussetzung für ein Statik-Training. Ich hätte wirklich zu gern meine Zeiten gewusst, aber Werner hat absolutes Uhrenverbot erteilt. Es ging schlicht ums Training. Und nach dem straffen Programm seit dem Morgen habe ich einfach auch nur noch gemacht, was gesagt wurde. Die Müdigkeit wich erst wieder aus mir, als wir in einem italienischen Restaurant in Wiesbaden mit vollen Bäuchen und einem Glas Rotwein der Stimme des Restaurantbesitzers und seiner Karaoke-Maschine lauschten und den Abend ausklingen ließen.

  

 

Nach einer doch kurzen Nacht ging es dann am nächsten Morgen wieder ins Sportplanet Groß-Gerau. Werner und Stephie stellten uns ihr Mentaltraining vor, das wir direkt im Anschluss in Verbindung mit einer kurzen Yoga-Session in die Praxis umgesetzt haben. Das kam mir irgendwie sehr recht, denn das bisherige Programm war sehr knackig und ich lernte erneut Muskelgruppen durch Muskelkater kennen, die mir vorher fremd waren. Da konnte ein Bodyscan und ein visualisierter Tauchgang im Trockenen nicht schaden. 

 

Die letzte Etappe des Trainingswochenendes haben wir im Hallenbad Groß-Gerau verbracht, in dem wir jeden Sonntag trainieren. Wir machten ein sehr ausgedehntes Dynamik- und Schwimmtraining; in einem solchen Umfang habe ich das nicht erwartet, war aber euphorisch und habe alles durchgezogen. Wir haben unsere Techniken verbessert, immer wieder dachte ich an meine Videoanalyse und versuchte, jede Bahn im Wasser sauber zu "arbeiten". Die Wende, die ich vorher überhaupt nicht gut gemacht habe, sitzt! Mein persönliches Erfolgserlebnis. Aber nach weiteren drei Stunden im Wasser war ich tatsächlich froh, dass wir es alle geschafft haben und nach Hause auf die Couch konnten :)

 

 

Ein Fazit habe ich nach den 48 Stunden natürlich auch.

 

Ich war mir nicht sicher, ob ich ein ganzes Wochenende mit so viel Sport überstehen würde, da ich immer eine recht vollgepackte Woche habe und derzeit in einem hohen Stresslevel arbeite. Auch als Anfänger unter Profis zu sein hat mich etwas verunsichert, aber diese Sorgen waren völlig unberechtigt. Den von wem lernt man besser als von denen, die es gut machen. Ich bin ein hohes Level an Professionalität in den all sonntaglichen Trainings gewöhnt, aber in "ApneaLicious" wurde eine ganz große Schippe drauf gepackt. Es ist einfach wunderbar so viel von Menschen zu lernen, die wissen und lieben, was sie tun und das auch gerne weitergeben. Dabei ist es nicht wichtig, wie groß oder klein, dünn oder dick man ist oder in welchem Trainingsgrad man sich befindet. Hauptsache, man hat Spaß und macht mit. Ich kann dieses Trainingslager wirklich jedem, der Freediving liebt, ans Herz legen. Ich bin begeistert und hoffe, dass ich beim nächsten Mal wieder dabei sein kann.